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Vereinsvorstand |
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Als die Idee der
Städtepartnerschaften in den Fünfzigerjahren in der Regierungszeit von
Konrad Adenauer aufkam, stand vor allem die komplexe historisch immer
wieder belastete Beziehung zwischen Deutschland und Frankreich Pate für
die neuen Anläufe nach dem zweiten Weltkrieg. Menschen, die sich
persönlich kennen und verstehen, schießen nicht aufeinander, lautete die
Hoffnung nach einem halben Jahrhundert der Massenvernichtungen, der
beiden Weltkriege mit Besetzungen, Zerstörungen und der schrecklichen
Grimasse des nationalistischen Furors. Tatsächlich mußte vor allem auf
kommunaler Ebene das Fundament für die menschlichen
"Reparationsleistungen"
gelegt werden. Das Beispiel der Nachbarn Weil am Rhein und Huningue
belegt, wie problematisch diese Annäherung im europäischen Geist sein
kann.
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Rheinufer von Huningue
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Denn anders als die
typischen Partnerschaften einer deutschen und einer franz. Stadt
mit dem Reiz des Unterschiedlichen, der Neugier auf die exotischen
Seiten des neuen Schulpartners lebte diese Partnerschaft aus dem Jahr
1962 lange Zeit vor allem aus
dem Rucksack der Vergangenheit.
Keine der Attraktionen aus dem
Schulbuch war die Stimulation der neuen Beziehung. Das typische
Frankreich spielte sich nicht in Huningue ab. Die Elsässer selber
sehen sich mit ihrer franko-alemannischen Geschichte als Sandwich
zwischen den beiden Mächten und haben mit ihren literarischen
Vordenkern wie André Weckmann vor allem einem neuen Regionalismus im
Hause Europa das Wort geredet, der die kulturellen Wurzeln in der
gemeinsamen Mentalität und im gleichen grenzüberschreitenden Dialekt
findet. Der kriegsbelastete
Hüninger lebt aber in Huningue, sieht seine Enkel ohne Dialekt mit der
französischen Sprache aufwachsen und benötigt die Grenze im Rhein
zunächst, um die Vergangenheit aufzuarbeiten. Er weiss, daß von Nazis
eingesetzte Bürgermeister in Weil ihre Hüninger Protektoratsaufgaben
während des Weltkriegs so diplomatisch versehen haben, daß sie selbst in
der Nachkriegszeit im Elsaß Freunde behalten. Und sie beobachten mit
gemischten Gefühlen, daß freie Wahlen bereits zwölf Jahre nach dem
Zusammenbruch der Nazi-Diktatur im Jahre 1957 ehemalige Befehlsgewaltige
in die demokratisch gewählten Gemeindeparlamente von Weil am Rhein und
Lörrach zurückkehren lassen. Sie pflegen die Beziehungen zur
innerfranzösischen Partnerstadt Soustons nicht nur deshalb intensiv,
weil der Fluchtort am Atlantik auch im Frieden attraktiv ist.
Huningue und Weil am Rhein gehören seit Jahrhunderten vor allem aus
geografischen Gründen zu den Brennpunkten in Europa, an denen
europäische Konflikte wie die ständigen Erbfolgekriege aus
absolutistischen Zeiten blutig ausgefochten wurden. Die Festung Hüningen
ist am westlichen Rheinufer immer noch in der Stadtstruktur erkennbar.
Gleichzeitig war die Lage prädestiniert für zukunftsweisende
Investitionen. Das alte Friedlingen starb im spanisch-französischen
Erbfolgekrieg von 1702 endgültig, das neue europäische
Wirtschaftsverständnis entdeckte Vorläufer in den gemeinschaftlichen
Investorengruppen elässischer und Schweizer Unternehmer, die in
Friedlingen seit 1880 einen strategisch günstig gelegenen Textilstandort
aufbauten.
Deshalb ist eine Jumelage zwischen dem entfernter gelegenen Sens und
Lörrach eher eine Partnerschaft der Menschen, während die
Verschwisterung zwischen Huningue und Weil am Rhein deutlich symbolische
Züge trägt und an den Beziehungen von Amts- und Würdenträgern ablesbar
ist. Die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Alt-OB Otto Boll und
dem Weiler Ehrenbürger und verdienstvollen Hüninger Alt-Bürgermeister
Charles Muller legen genauso beredtes Zeugnis ab wie die institutionell
entstandene und menschlich gewachsene Beziehung von Peter Willmann und
Etienne Martin oder heute zwischen Wolfgang Dietz und Maire Moebel. Der
europäische Alltag handelt von anderen Kräfteverhältnissen. Die
Textilindustrie starb, die modernen Technologie-Konzerne kamen. Huningue
und Weil am Rhein sind suburbane Bereiche der Agglomeration Basel
geworden und naturgemäß Standorte der Chemie- und Pharmakonzerne.
Schweizer LOFO-Produkte aus Friedlingen finden sich in jedem dritten
Handy auf der Welt, interaktives Lernen wird von Schweizer EDV-Designern
bei HQ im Schwarzenbach-Areal für den europäischen Markt erleichtert,
bei E+H in Friedlingen findet sich der beispielhafte europäische
Mittelstandskonzern, der in allen drei Ländern zuhause ist. Zahlreiche
Beispiele aus der Wirtschaft lassen sich an beiden Orten beliebig
aufzählen.
Die Pontonbrücke zwischen Weil und Hüningen ist Vergangenheit, die Fähre
ebenso, aber die Kundschaft des Rheincenters besteht zu größten Teilen
aus Menschen aus Kleinhüningen und Frankreich. Zahlreiche französische
Arbeitnehmer von Big Star und Raymond auf der deutschen Seite blockieren
am späten Nachmittag auf ihrer Rückfahrt das Nadelöhr an der
Palmrainbrücke. Zwischen SIPES und den Gemeinden des Wasserverbandes
wurde schon seit Jahren Regionalpolitik betrieben und wenn die
Ergebnisse schon so alltäglich waren, daß sie in der Öffentlichkeit kaum
mehr wahrgenommen werden, dann nimmt die elsässische Spargelbrüderschaft
wieder einen Weiler Connaisseur auf.
Das Ziel europäischer Verschwisterung war in den ersten 30 Jahren die
Versöhnung. Nachdem die Kriegsgeneration pensioniert wurde, bleibt das
Ziel, das Haus Europa zur selbstverständlichen Alltagserfahrung zu
machen. Dabei gibt es für einen Partnerschaftsverein, der nicht wegen
Hüningen, sondern wegen der englischen Partnerstadt Bognor Regis
gegründet worden war, nach wie vor viel zu tun. Auf der einen Seite
bemüht er sich darum, überregionale Programme wie "Lerne die Sprache
deines Nachbarn" auf beide Gemeinden anzuwenden, indem Kontakte zwischen
Lehrern vermittelt werden. Er braucht sich nicht um die Kontakte
zwischen Politikern zu kümmern, wohl aber um Beziehungen zwischen
Vereinen, Festveranstaltern und Organisatoren. So gibt es seit einigen
Jahren einen Stammtisch, an dem die Vertreter des Weiler Vereins zur
Förderung von Städtepartnerschaften wie Heinz Kramer und Sylvia
Friedrich(die als Hüninger Frau eines Weilers mit ihrem Mann Hans-Jürgen
im Vorstand des Partnerschaftsvereins dem Namen sogar eine sehr
persönliche Note gibt), Vereinsvertreter wie Jörg Pillau vom Turn- und
Sportring oder Karl Gehweiler vom Kulturring und Vertreter des für
Partnerschaften zuständigen Hauptamtes wie Dieter Walk und Ingo Wittig
gemeinsam mit Vertretern der Hüninger AMA sitzen.
Diese Hüninger Mischung von Vereinsvertretung und halboffizieller
Freizeitpolitik ist in Hüningen um "Animation" besorgt und dafür
zuständig, wenn Hüningen beim Straßenfest in Weil vertreten ist. Die
Nutzung von Hüninger Sporthallen für Weiler Sportler, die gemeinsamen
Projekte von Musikschule oder Museen sind Ausflüsse einer
funktionierenden Kommunikation zwischen Verwaltungsabteilungen. Daß die
freizeitpolitischen Gemeinsamkeiten in Zukunft eher grösser werden,
könnte am neuen Hüninger Bürgerhaus "Le Triangle" liegen. Aufgabe eines
Partnerschaftsvereins könnte es dann irgendwann einmal sein, die
Unterschiede zu bewahren und als Qualität herauszuarbeiten und nicht nur
auf die Gemeinsamkeiten zuzuarbeiten. Einen großen Anteil daran hat die
„Table Ronde“, ein Arbeitskreis, der als Teil des Städtepartner-Vereins
für ein lebendiges Aktions- und Begegnungsprogramm sorgt. Auf
französischer Seite sind daran die Vertreter der AMA beteiligt auf
deutscher Seite der Turn- und Sportring, der Kulturring, der
Städtepartnerverein, die Stadtverwaltung, das Altweiler Straßenfest und
andere. Die Chance zur gelebten Partnerschaft bei der gegebenen Nähe
kann noch erheblich verbessert werden, wenn die „Passerelle“, die Brücke
über den Rhein vermutlich im Frühjahr 2007 eingeweiht ist.
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